Das Arbeitsamt gibt bekannt

1000-jährige Eiche

Verzeihung, selbstverständlich muss es richtig heißen: Bundesagentur für Arbeit. Jeden Monat gibt diese Institution sich allergrößte Mühe Zahlen zu veröffentlichen, die die Arbeit dieser Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung selbst und die Arbeit des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in ein möglichst günstiges Licht rückt.

Es sei jedem selbst überlassen, sich mit den endlosen Zahlenreihen, die jeden Monat produziert werden auseinander zu setzen. Die Bundesagentur selbst lässt bei der Beurteilung seiner und der Zahlen des Bundesamtes für Statistik eine Menge eigenen Spielraum. Sie selbst interpretiert die Zahlen so (also eben im Wesentlichen positiv), andere werden dies anders tun.

Ich möchte nur regelmäßig daran erinnern, dass bei einer Erwerbstätigkeitsquote von 50% (nach den Angaben waren im November 41,6 Mio. Menschen erwerbstätig, das sind nunmal ca. 50% der in unserem Lande lebenden Menschen) noch eine Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 29,02 Mio. Menschen verbleibt.

Es arbeiten also erst einmal nur ca. die Hälfte. Was bedeutet das? Genau diese eine Hälfte muss erst einmal für die andere Hälfte, die nicht arbeitet, rein finanziell gesehen, aufkommen. Sieht man die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Erwerbseinkommler wird dieses Verhältnis noch ungünstiger.

Dabei ist es völlig unabhängig davon, wovon die andere, nicht arbeitende Hälfte im Einzelnen lebt. Es verbleiben ja nicht allzu viele Möglichkeiten: Rente, ALG 1, ALG 2, Krankengeld, Zinsen auf Vermögen (wozu auch Mieten und Pachten sowie Unternehmensbeteiligungen dem Grunde nach gehören). Die Anzahl derer, die von Betteln und Spenden oder etwa durch Selbstversorgung aus Flur und Wald leben können, dürfte zu vernachlässigen sein.

Wenn man nun weiter nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass etwas weniger als 30 Mio. Bürger für die Wohlfahrt von insgesamt 82 Mio. Menschen irgendwie aufkommen muss. Denn diejenigen, die zwar erwerbstätig, jedoch nicht in Sozialkassen einzahlen erbringen nur wenig Beitrag zu den Sozialtransfers sondern sind überwiegend in den Niedriglohnsektor einzuordnen, wonach sie eben nicht beitragspflichtig werden. Nur ein relativ kleiner Teil der genannten Personengruppe arbeitet als Selbstständiger mit genügend großem Arbeitseinkommen. Alle diejenigen, die zusätzlich zu ihrem Arbeitseinkommen noch staatliche Transfers, wie etwa Hartz IV erhalten, weil es eben nicht reicht, sind ebenfalls unter den Erwerbstätigen zu finden.

So kann sich praktisch jeder selbst ein Bild machen. Das persönliche Empfinden in den unterschiedlichen Regionen unseres Landes mag sehr unterschiedlich sein. Vielleicht ist in unserer „Südschiene“ (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz) der Eindruck groß, dass es allen gut geht und sehr große Geldmengen aus den Arbeitseinkommen in die Haushalte gehen. Insgesamt kann sich aber selbst die Mainstreampresse des ansonsten vorherrschenden Eindrucks nicht erwehren, dass es eine allgemein rückläufige Lohnentwicklung sowie eine Umverteilung der Arbeitsplätze von Voll- auf Teilzeit oder Leiharbeit gibt. Mit all den logischen Konsequenzen, die darauf folgen. Und dabei ist die wichtigste: die Umverteilung von Fleißig auf Reich.

In unserer Gesellschaft vollziehen sich immer wieder Wandlungsprozesse. Einige Menschen waren in der Situation am richtigen Ort und zur richtigen Zeit zumindest das scheinbar Richtige zu sagen. „Gefahren lauern nur auf jene die auf die Zeichen nicht reagieren. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Es kann kein Fortschritt sein, dass Pflege- und Heilkräfte, Dienstleistungen am Menschen aller Art, wie eine Art gesellschaftliche Müllabfuhr behandelt werden (da sie so entlohnt werden) und zur gleichen Zeit Menschen, die offenbar in deren glänzenden Bürotürmen der Frankfurter City nichts zum Wohlergehen der Menschen beitragen üppig entlohnt werden und sich diese Diskrepanz immer weiter verschärft. Und diese Erkenntnis ist kein Klassenkampf, sondern eine Tatsache, die man erkennen und als allgemeine Fehlentwicklung deuten muss. Und von daher muss man diese oder andere Fehler im System erkennen, ansprechen und beseitigen.

Und warum müssen eigentlich 41 Mio. Erwerbstätige 1 Mio. Netto-Zinsempfänger (mehr gibt es nicht in Deutschland) mit jedem Tag noch reicher machen? Mit welchem Recht können die uns dazu zwingen?

so long…

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