Das Finanzsystem als globale Feldstudie der Hochfinanz

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Die folgenden Zeilen entstanden schon vor einer ganzen Weile und sind das Ergebnis von Vorträgen und der Lektüre anderer Internetautoren. Sie zeigen einfach ein paar Gedanken, die ich zusammenfassend an dieser Stelle veröffentlichen will.

 

Das Experiment „Finanzsystem“ oder: Wir sind alle seit Jahrzehnten Teil einer globalen Feldstudie der Hochfinanz

Ich glaube, die wenigsten haben das „Betriebsgeheimnis“ des Finanzkapitalismus verstanden. Ich will versuchen, das ganz kurz aufzutröseln.

  1. Es gibt keine „guten arme Leute“ genauso wenig wie es „die bösen Reichen“ gibt. Sich gegenseitig die Schuld zuschieben zu wollen endet im Chaos. Das war schon immer so. Die letzte große Krise des Finanzsystems von 1929 gipfelte über Umwege im zweiten Weltkrieg.
    Es gibt eben nur das von Menschen gemachte global existierende Finanzsystem mit wesentlichen Konstruktionsfehlern und weitreichenden Konsequenzen für den Einzelnen.
  2. Geld entsteht durch Schulden, durch Kredit. Geld wird niemals einfach so „ausgegeben“. Wenn auf der einen Seite ein Guthaben besteht, muss es zwangsläufig auf der anderen Seite ein (oder eben mehrere kleinere) Schuldsalden geben. Geschäftsbanken vergeben Kredite auf der Grundlage eines sogenannten Reservesystems, in welchem eine geringe Menge an Einlagen bzw. Eigenkapital gefordert wird. Diese Mindesteinlagen sind relativ zu der erzeugbaren Geldmenge gering. Aus 10 Euro Einlagen können auf diese Weise gerne 910 Euro aus dem Nichts geschöpft werden. Es geht also im Kern gar nicht darum, dass Leute (sogenannte Investoren ihr Barguthaben „verleihen“). Wenn dem so wäre, wäre die Finanzwelt stabil und die Menge des Geldes würde sich gar nicht verändern. (Dies ist etwas vereinfacht, im Netz finden sich aber bei Interesse sehr schnell ausführliche, relevante und kompetente Ausführungen zu diesem Thema)
  3. Wäre es möglich alle Schuldsalden mit Barvermögen zu tilgen, gäbe es schlicht keine Guthaben mehr. Das Geld wäre einfach weg. Klingt unglaublich? Ist aber so.
  4. Die Geldmenge muss sich jedoch einem mathematischen Gesetz folgend erhöhen. Wenn eine Geschäftsbank Geld erschafft (= einen Kredit ausgibt), verlangt sie auf dieses vorher nicht vorhandene Geld eine Gebühr, den Zins. Dieser Zins wurde aber nie bei irgendeiner Geldschöpfung geschaffen. Das bedeutet schlicht und ergreifend, der Kreditnehmer muss mit seiner Arbeit nicht nur den Kreditbetrag selbst aufbringen, sondern er muss den anderen Marktteilnehmern auch diesen Zins abjagen. Bei der Rückzahlung des Kreditbetrages sinkt der Bilanzwert der jeweiligen Geschäftsbank um diesen Betrag. Das Geld verschwindet tatsächlich! Um aber sicher zu stellen, dass die Zinsen irgendwie eingesammelt werden können, müssen ständig neue Schuldner gefunden werden.
  5. Das vorhandene und derzeit benutzte Geldsystem ist ein einziger Teufelskreis, der ständiges neues Schuldenmachen erforderlich macht.
  6. Aus dem gesagten ergibt sich, dass heute bereits jeder Euro, welcher umläuft zu 30% weggezinst wird. 30% des BIP gehen tatsächlich völlig leistungslos als Zins auf die Konten der Guthaben und vermehren damit diese Guthaben und damit automatisch die Schulden! Wenn die Schulden verringert werden sollen müssen folgerichtig die Guthaben verringert werden. Ja genau: das ist das Betriebsgeheimnis des Finanzkapitalismus. Es müssen Guthaben verringert werden, um Schulden zu verringern.

Die Frage beim Sparen und Schuldenabbau nach dem alten System heißt also: Wem nimmt man was weg von seinem Guthaben, um Schuldensladen abzubauen?

 

Zitat:

Kurt Biedenkopf: „Jede menschliche Ordnung, die immerwährendes, materielles Wachstum zur Voraussetzung hat, muss früher oder später scheitern.

Denn die Erfüllung dieser Voraussetzung ist objektiv unmöglich. Eine Politik, welche die Zukunftsfähigkeit des Landes und seiner freiheitlichen Ordnung

von dauerhaftem Wachstum abhängig macht, kann deshalb keine lebenswerte Zukunft bieten. Ihr fehlt der tiefere Sinn.“ DIE ZEIT, 25. November 2004

 

Vor diesem Hintergrund muss sich der einfache Bürger und der Verantwortliche in Politik, realer Wirtschaft oder Finanzwirtschaft folgendes klar machen:

  • Wir brauchen die Veränderung des Finanzsystems
  • Es wird nicht gelingen die Krise zu besiegen, indem diejenigen belastet werden, die über keine nennenswertes Guthaben verfügen. Das wird die Schulden im Gegenzug nicht reduzieren.
  • Es gilt alleine die Realwirtschaft und die Sozial- und Vorsorgesysteme über den Berg einer dringend notwendigen Veränderungen zu retten. Die Finanzwirtschaft bedarf dabei eines globalen Haircut, denn die ist ausschließlich dafür da die reale Wirtschaft zu befördern. Bei dieser Veränderung sitzen alle gesellschaftlichen Gruppen übrigens im gleichen Boot. Denn alle Gruppen sind letztlich irgendwie voneinander abhängig!

Wenn wir es nicht schaffen, das Finanzsystem auf solide Beine zu stellen, ohne solche konstruktiven Fehlleistungen, werden wir immer wieder solche Phasen der absoluten Unsicherheit erleben! Die Frage ist: wollen wir das?

 

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